There is nothing with which every man is so afraid as getting to know how enormously much he is capable of doing and becoming.
- Søren Kierkegaard

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Bilder-Geschichten...

Das World Press Photo 2009 wurde gekürt.

 

Fotograf: Pietro Masturzo, Italien

Women in Tehran shout from a rooftop in protest against the regime on 24 June in Tehran. The Iranian presidential elections were held on 12 June and the results, proclaiming victory by President Mahmoud Ahmadinejad over opposition candidate Mir-Hossein Mousavi, were strongly contested.

In the weeks following the election, violent protests took place in the streets. At night, when the streets were empty, people went on to the rooftops of their homes to continue shouting their dissent. Their cries of 'death to the dictator' and 'Allah u Akbar (Allah is great)' echoed through Tehran."

 

Hier geht es zur Galerie der Gewinner.

1 Kommentar 15.2.10 19:21, kommentieren

The Marshmallow Test :D

1 Kommentar 15.2.10 12:55, kommentieren

Karneval der Kulturen 2010

So sehr ich im Mai auch Termine schieben und quetschen muss, den Karneval der Kulturen in Berlin verpasse ich bestimmt kein zweites Mal! Letztes Jahr war zu dieser Zeit gerade der Kirchentag in Bremen, ich glaube deshalb konnte ich nicht hin. Ich erinnere mich noch, dass bei uns an der WG-Pinnwand der Flyer hing und Enrico nach dem Wochenende hellauf begeistert wiederkam... Elli und neidisch? Ach Quatsch... xP

Dieses Jahr nicht ohne mich!
Für alle die vom 21.-24. Mai große Pläne mit mir hatten... Pech gehabt oder... MITKOMMEN!

Zur Homepage vom Karneval der Kulturen gehts HIER...

2 Kommentare 11.2.10 00:04, kommentieren

In Gaza tonight...

 

WE WILL NOT GO DOWN - Song for Gaza
by Michael Heart

A blinding flash of white light
Lit up the sky over Gaza tonight
People running for cover
Not knowing whether they’re dead or alive

They came with their tanks and their planes
With ravaging fiery flames
And nothing remains
Just a voice rising up in the smoky haze

We will not go down
In the night, without a fight
You can burn up our mosques and our homes and our schools
But our spirit will never die
We will not go down
In Gaza tonight

Women and children alike
Murdered and massacred night after night
While the so-called leaders of countries afar
Debated on who’s wrong or right

But their powerless words were in vain
And the bombs fell down like acid rain
But through the tears and the blood and the pain
You can still hear that voice through the smoky haze

We will not go down
In the night, without a fight
You can burn up our mosques and our homes and our schools
But our spirit will never die
We will not go down
In Gaza tonight

1 Kommentar 4.2.10 19:21, kommentieren

Ein generelles Update... :)

Unsere WG schrumpft und wird immer gemütlicher. Denise ist nach Weihnachten nicht mehr zurückgekommen, was mich nicht sonderlich vom Hocker gehauen hat und mich nur insofern kratzt, dass ich den Weg des geringsten Widerstandes zu schätzen verlernt habe. Nora wird das Projekt Mitte März ebenfalls verlassen, weil sie mit der Arbeit nicht zufrieden ist. Hm, wie mans sieht, ist das was man draus macht. Immer und immer wieder. Irgendwo machts mich natürlich betroffen, weil ich Nora wirklich gern mag, andererseits beobachte ich mit angenehmer Ruhe wie sich diese WG langsam leert, denn Natias EFD endet Mitte Februar, wodurch wie unseren einzigen neutralen Raum zurückerhalten. Und ich weiß inzwischen auch, dass ich kein Mensch für 7er-WGs bin, jedenfalls nicht auf so engem Raum und ohne eigenes Zimmer. Schlimm find ichs nicht wirklich, aber wenn ich in Zukunft die Wahl haben werde, weiß ich worauf es mir ankommt.

Ansonsten… ich habe tatsächlich angefangen, zu kochen. Obwohl ich ja generell eher der Von-der-Hand-in-den-Mund-Mensch bin, war ich angesichts der kulinarischen Kreationen meiner Mitbewohnerinnen doch öfters etwas peinlich berührt. Irgendwie machts ja schon Spaß, so mit Pfanne und Topf rumzuhantieren, man kommt sich so professionell vor (und da kann auch das Aussehen der Endkreation nicht dran rütteln).

WLAN haben wir uns jetzt auch wieder erkämpft. Angefangen hatten wir offline, dann hatten wir kurz WLAN, dann wurde unser Router entführt und durch eine Krücke ausgetauscht, weshalb wir uns 2 Monate zu sechst ein Kabel geteilt haben oder regelmäßig die umliegenden Cafés mit unserer Anwesenheit (und dem Laptop unterm Arm) beglückt haben. Nun haben wir unseren alten funktionierenden Router wieder, der gerade allerdings nicht funktioniert – prima Sache, andererseits hätte ich vermutlich nicht die Motivation gefunden, heute diesen Blogeintrag fertig zu schreiben.

Denn ich bin gerade vom Training gekommen – oooh, wie gut sich diese Aussage anfühlt! – und bin ziemlich positiv platt. Ravan, einer unserer aserbaidschanischen Freiwilligen hat mir gestern den Impuls gegeben, als er mir von dem Fitnessstudio erzählt hat in dem er trainiert – und prompt dacht ich mir heute nach Seminarende, hast frei, gehst mal schaffen. Habe es bewusst vermieden, länger drüber nachzugrübeln, sondern einfach meine Sachen gepackt und ab zur Tram, is nämlich etwas weiter weg und kalt draußen. Bei der Gelegenheit ist ein Auto 5m vor mir in den Begrenzungspfahl gerast. Als ich hin bin, war der Fahrer aber zum Glück unverletzt. Anyway, es hat mir immerhin wertvolle Gespräche auf Rumänisch beschert. Beim Gym angekommen, hab ich mir den Verein erstmal angeschaut und zufrieden festgestellt, dass es keinen Wellnesstrainingsbereich gibt, hehe. Ich kann jetzt auch wieder sagen „mein Trainer“, yay, das hab ich doch irgendwo vermisst… obwohl ich Cosmin garnicht groß brauche, ich hab schließlich nicht alles aus vergangenen Trainingstagen vergessen. Aber ich werde es diesmal simpel halten, da ich einigen Geräten nicht ganz über den Weg  traue und mir für umfassendes, fokussiertes Training einfach Raum und Zeit fehlt. Im Endeffekt war ich es auch einfach nur Leid, zuhause einzurosten. Vor allem jetzt, wo man wettermäßig auch nicht mehr Joggen gehen kann. Mein Körper fühlt sich jedenfalls perfekt lahm an und ich bin mit gesundem Hunger heimgekommen. Mal schauen, wie mein erster Trainingsmonat wird, hehe. Hier zahlt man übrigens per Monat, in meinem Falle 80Lei (20 Euro) für Trainingsbereich plus Sauna, fairer Deal.

Der Drang, unbedingt wieder irgendwas Sportliches zu machen, war spätestens nach unserem spontanen Ski-Trip nach Arieșeni nicht mehr zu ignorieren. Alex, Krzysztof und ich sind letzten Freitag kurzentschlossen mit einigen einheimischen Freunden losgefahren und haben 2 Tage in den Bergen nahe Clujs verbracht, wo ich doch tatsächlich die familiäre Tradition durchbrochen habe UND SKIFAHREN GELERNT HABE! Ich glaube ich bin garnicht son Idiot auf Brettern, Alex meinte, ich war ziemlich fix. Allerdings hätte nur noch einen weiteren Tag gebraucht um wirklich mal eine gesamte Abfahrt ohne den zärtlichen Einsatz der „Arschbremse“ zu absolvieren. Anyway, ich glaube, das mag ich. Freu mich aufs nächste Mal! :D

Aus Arieșeni zurückgekommen, wurde ich durch einen Facebook-Eintrag von Vlad mit einem Anfall von Heimweh beglückt. Er ist aktuell mit ner Gruppe von Freunden, die ebenfalls auf die eine oder andere Weise mit Bremen verbandelt sind, auf Skiurlaub in Kaprun/Österreich und irgendwie haben sie wohl angefangen, eine Art Bremen-Revival zu feiern. Inclusive Fußballhymnen… jene wurde mir demnach auch zu teil… „In Bremen fließt ein steter Strom, vorbei am Weserstation, hier sind wir zuhaus, hier geht’s uns gut“. Oooooooh seufz, ja…  =)

Und eine weitere Sache hat meine bremische Heimwehfreude angefacht: Lena hat ihre Stelle im ServiceBureau auf „unbefristet“ ausgeschrieben bekommen! Denn Kristina, Lenas Vorgängerin, hat sich nach 2 Jahren Babyurlaub letztendlich eine neue Stelle in Hamburg gesucht, yaaay!! Ich freu mich so, ich freu mir nen riesigen Keks, den freu ich mir, uuuiuiui!! Herzlichen Glückwunsch, allerliebste Lena! Besser geht’s doch nu bald garnicht mehr! :D

Ja, ich arbeite auch noch. Die Geostunden in der Schule laufen sehr gut. Man lernt ja mit jeder Stunde dazu und jetzt, wo wir auf die Multimedia-Schiene (Slideshows, Musik, Videos) umgestiegen sind, haben wir beinahe ungeteilte Aufmerksamkeit. Ich könnte den Kids die Börsenkurse demonstrieren, alles was auf dem Laptop rauskommt ist prinzipiell toll.

Die Kommunikation in der Schule funktioniert auch immer besser. Ich ziehe es inzwischen vor, die persönlichen Hintergründe der Kids im Gespräch mi ihnen selbst zu erfahren, als durch den Austausch mit Lehrern. Sind schon einige ziemlich traurige Geschichten dabei… vor allem bei den Romakindern. Die meisten leben in Waisenhäusern, nicht zwangsläufig weil die Eltern gestorben sind, sondern weil sie entweder von zuhause weggenommen wurden oder weil die Eltern sie nicht mehr wollten. Ja, auch sowas gibt’s. Ist hart.

Am letzten Schultag vor den Ferien haben wir einen International Day in der Schule veranstaltet, bei dem wir unsere Heimatländer Schweden und Deutschland präsentiert haben. Zur kollektiven Bespaßung haben wir am Ende die Schminksachen ausgepackt und die Kids (und uns ^^) mit Flaggen bemalert. Kam unheimlich gut an, wie man sich vorstellen kann. Nicht nur bei den Kids, sondern auch bei den Leuten auf der Straße, die mich leicht amüsiert gemustert haben, als ich noch Stunden später mit der rumänischen Trikolore im Gesicht durch die Stadt gelaufen bin… :D

  

 

Heute habe ich die Zahnputzzeug-Spendenlieferung erhalten… es sind VIER Pakete!! Ich geh eben nachzählen… … … 17kg… Zahnbüsten, Zahnpasta und Wasserbecher inclusive bebilderte Anleitung! 200 Kits!! Danke an der Stelle an … an… ja, an wen eigentlich, wir hatten ja zwei Spendenzusagen… ich werde es rausfinden, sobald das Internet wieder läuft. Bis dahin einfach riesendickes Danke an meine liebe Lena – für das Zwischenlager im ServiceBureau, Weiterschicken und Großzügigkeitsein! ;D

1 Kommentar 2.2.10 23:25, kommentieren

O zi foarte frumoasă...

Der Tag gestern war so schön, dass ich doch glatt mal nen Eintrag schreibe.

Zuerstmal begann unser Schultag mit einer Geschenkaktion, die lauter strahlende Kinderaugen beschert hat.  „Weihnachten im Schuhkarton“ hat man vielleicht schonmal gehört, ich glaube meine Familie hat da auch schonmal mitgemacht. Man packt einen Schuhkarton voll mit nützlichen und schönen Dingen (z.B. kleine Spielzeuge, Plüschtiere, Handschuhe, Zahnbürsten, Buntstifte und Süßigkeiten), verpackt es weihnachtlich und gibt es dann bei der Sammelstelle ab. Die verteilt die Päckchen dann als Geschenke an bedürftige Einrichtungen im In- und Ausland. Es war interessant, mal auf der anderen Seite zu stehen und toll, zu sehen, dass solche humanitären Aktionen tatsächlich „ankommen“ (woran ja oft, und teilweise berechtigt, Zweifel besteht). Und vor allem wie die Reaktion ausfällt! Es war überwältigend, die Kleinen haben sich so nen Keks gefreut, wild ausgepackt, Bauklötze gestaunt, untereinander rumgetauscht oder angegeben. xD Und da die Päckchen aus Deutschland kamen, habe ich so gut es ging die beigelegten Grußkarten der Absender zu übersetzen versucht.

   

Danach haben wir die erste Geostunde gehalten, das lief auch prima. Wir haben sie ja auf Rumänisch ausgearbeitet, entsprechend einfach gehalten, was aber auch kein Problem war, da es ja für die Kids eh sehr simpel erklärt werden musste und wir zu Komplizierterem auch nur begrenzt fähig gewesen wären. Aber wir hatten einen Globus, zwei Karten, viele Bilder und die Rumänische sowie Europäische Flagge zum demonstrieren, das hat ganz gut geklappt. Anschaulichkeit ist alles, vor allem der Globus war das Nonplusultra für die Kinder...

Danach hab ich mit Alex und Ionut Fussball gespielt und anschließend Tiger und Löwe, was dazu führte, dass wir letztendlich zu dritt und sehr verknäult auf der Wiese rumgekullert sind, denn Alex und Ionut wollten mich ganz klar fressen xD. Die beiden Brüder zähmt man am besten durch Wildheit, ergo quasi garnicht, bzw. man passt sich einfach ihrem Tempo an, dann erreicht man sie besser. Die beiden sind ein oder zwei Jahre auseinander, beide Legastheniker und hyperaktiv. Was Letzteres angeht, habe ich nun eben gemerkt, dass das Beste was ich für die beiden tun kann,  schlicht körperliche Verausgabung ist. Die haben so viel Energie die sie nicht zügeln können und „eingesperrt“ im Klassenraum einfach den Käfigkoller bekommen, stören und in Ionuts Falle auch aggressiv werden. Dadurch war die Tiger und Löwe-Aktion draußen absolut das richtige, sie waren danach echt gelöster und „ruhiger“ als vorher.  Gerade bei Ionut bemerke ich, dass unsere Anwesenheit schon nen ziemlichen Einfluss auf die Kids hat. Er ist umgänglicher geworden in letzter Zeit, bemüht sich um Aufmerksamkeit anstatt sie durch aggressives Verhalten zu erzwingen und kommt öfters um uns einfach zu umarmen oder zu küssen. Eine Art des Sich-ausdrückens, die ich ihm anfangs nicht ansatzweise zugetraut habe.

Ich war so k.o. als ich zuhause ankam, absolut völlig ausgepowert vom Gerenne und der viele frischen Luft. Ich hatte noch am Abend ne sehr gesunde Gesichtsfarbe, ehehe. Und eigentlich hätte ich ganz dringend ne große Mütze Schlaf benötigt, da der Plan stand, abends noch wegzugehen und all die Freiwilligen aus den Dörfern um Arad mal wieder versammelt auf einem Haufen zu treffen. Aber aus dem Powernap wurde irgendwie nichts, hab mich stattdessen bestmöglich wachgeduscht. Dann ein Abend im Flex mit Karaoke, Industrial-Floor, Wasserrohrbruch und klärenden Gesprächen. Danach die beste Tanznacht, den ich seit langem hatte. Alle möglichen Lieblingslieder, teilweise rumänisch übertextet, sehr sehr gut war das. Gegen 5 waren wir zuhause und um 7 rum hatten Alex und ich uns dann letztendlich doch in den Schlaf geredet…

3 Kommentare 16.1.10 19:20, kommentieren

Dialog zwischen Person X und Elli

"Ich bin Vegetarier."


- Warum denn das?
"Nun, viele Menschen sehen uns bekanntlich als die höchste Rasse an, was uns anscheinend das Recht verleiht, uns in solche Maße über den restlichen Bewohnerstand dieses Planeten zu setzen, dass wir sie nach Belieben für all unsere Belange nutzen und auch missbrauchen dürfen. "Nutzen" steht in diesem Moment sinnlich für notwendige und "missbrauchen" für unnötige Gebrauchmachung.
Nun betrachte man es ernährungsphysiologisch. Die einzigen Dinge, von denen sich Lebewesen ernähren können, entstammen pflanzlicher oder tierischer Quellen. Die menschliche Spezies hat sich durch ihre – in diesem Bereich tatsächlich außerordentliche – Intelligenz die Wissenschaften geschaffen. Durch die Forschung hat man die Erkenntnis erlangt, dass sowohl unsere Versorgungsindustie als auch unsere Körper so hoch entwickelt sind, dass wir uns nicht nur aus beiden Quellen ernähren können, sondern auch, dass wir nicht zwangsläufig beide Quellen brauchen. Wir haben die physiologische Freiheit, wählen können, quasi frei nach Gusto zu essen, ohne daraus fatale Konsequenz zu ziehen. Die meisten Tiere und Pflanzen können das nicht.
Dazu kommt das Königsargument, das uns vermeintlich über unsere tierischen Kollegen erhebt: das Bewusstseins! Finde ich ein super Argument, denn wenn wir doch sowieso außerordentlich (manche mehr, manche weniger) bewusst sind, obliegt gerade uns die Pflicht, von diesem Bewusstsein auch bewusst Gebrauch zu machen. Natürlich ist es falsch, hungernden Kindern Fleisch zu verwehren, natürlich greifen in diesem Falle die Spielregeln des Lebens. Überleben über alles, unser Körper ist ja nicht umsonst zweischienig programmiert, auf tierisch und pflanzlich um das Überleben in möglichst jedem Notfall zu sichern. Im Falle des hungernden Kindes besteht die Wahl zwischen Leben und Verhungern und wer ihm die Fleischmahlzeit vorenthält, handelt gegen das Überleben eines leben. (Und wäre es obendrein ein fanatischer Vegetarier, würde er sich umso hochgradiger lächerlich machen.) Auch ich würde eher Fleisch essen, als gezwungenermaßen Mangelernährung in Kauf zu nehmen.
Moralischbesiernder Vegetarismus hat nicht Askese, Leiden oder fahrlässige Selbstbeschädigung zum Ziel, denn durch die körperliche Schwächung würde die körperliche Entwicklung und die allgemeine Evolution behindert werden, was auf meinem Weltbild beruhend nicht Sinn der Sache sein kann. Doch sofern und sobald uns unser Versorgungsstand, unsere Lebensumstände und unsere körperliche Konstitution die tatsächliche Wahlfreiheit geben, den Verzicht auf Fleisch körperlich unbenachteiligt zu erfahren, finde ich es nicht mehr vertretbar, Unseresgleichen unnötiggewordernerweise zu töten um zu essen."


- Ja aber ist Du denn wenigstens Fisch?
"Nein, natürlich nicht. Ich sehe Vegetarier, die Fisch essen, auch nicht als Vegetarier an."


- Tut mir Leid, aber ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass man bei rein pflanzlicher Ernährung alle nötigen Nährstoffe aufnehmen kann.
"Google ist dein Freund. Hier ein erster Einstieg:
Gesundheitliche Aspekte


- Und warum bist Du eigentlich kein Veganer? Vegetarismus is doch Pseudomoralismus.
"Diesen Gedanken hatte ich nach „Earthling“ auch und es ist einen weiteren Gedanken wert. Vegetarismus ist der bewusste, rein ernährungstechnische Verzicht auf Tierprodukte, für welche Tiere getötet werden. Veganismus fasst wiederum sämtliche Gebrauchtsprodukte des Alltags ein, für die Tiere (v.a. industriell) missbraucht werden: Fleisch/Milchprodukte/Eier etc., Leder, Pelz, Federwaren etc.
Auf die Frage, warum ich kein Veganer bin, kann ich die einfache Antwort geben: Weil ich mich dazu nicht bereit fühle. Selbst würde ich nicht vegetarisch leben, muss bei meiner Ernährung einige spezielle Dinge besonders beachten, weil meinem Körper von Natur einen Mangel an bestimmten Nährstoffen hat. Wenn ich vegan leben will, muss ich meine Ernährung weiter umstrukturieren und fürs erste sehr viel Planungsarbeit hineinstecken. Keiner sagt, dass das unkompliziert oder gar „unanstrengend“ ist, aber das trifft nur solange zu, bis man sich eingelebt hat. Ich persönlich finde in meinen momentanen Lebensumständen keinen angemessenen Raum für so eine grundlegende Veränderung, zumindest nicht in ernährungstechnisch veganer Sicht. Bezüglich der Gebrauchsprodukte handle ich ziemlich bewusst, auf Pelz verzichte ich seit eh und je, mein „Lederkonsum“ hält sich in Grenzen und Federkernkissen und –matratzen messe ich auch keinen außergewöhnlichen Wert zu.
Zu dem schönen Wort des Pseudomoralismus kann ich nur sagen, dass ich nicht vegetarisch und „bewusst“ lebe um jemandem etwas zu beweisen oder den Moralapostel spielen zu können. Und weil das so ist, muss ich mich auch niemandes Urteil beugen oder mich rechtfertigen. Ich fühle mich einzig meiner Moral verpflichtet und die sagt mir, dass ich es nicht vertretbar für mich halte, unnötiges Leiden zu unterstützen und dem trage ich durch meine Entscheidung zum Vegetarismus bereits ein ganzen Stück bei. Und dieser ist in keinster Weise verwerflich oder weniger Wert, nur weil ich nicht logisch konsequenterweise ganz vegan lebe. Ich heiße bewussten Vollveganismus absolut gut, es ist für mich die Idealvorstellung, auch wenn ich ihn aktuell nicht lebe und mit dem zufrieden bin, was ich aktuell tue.
Das Gleiche denke ich auch über alle anderen „Wahlberechtigten“, allerdings kann ich diese Entscheidung nur für mich selbst und nicht für Andere treffen. Ich bin nichtsdestotrotz guter Hoffnung, dass sich mit der Zeit ein größeres wohlstandsgesellschaftliches Bewusstsein für diese Dinge entwickelt."

- Vegetarismus is nicht wirklich gesellschaftsfähig und Veganismus schon gleich garnicht. Man kann ja nichts mehr essen!
"Man kann auch einfach den Kopf ausschalten, man muss nicht mehr nachdenken und es lebt sich ganz leicht und unbeschwert."


- Du wirst die Welt damit aber auch nicht ändern, das ist ein Tropfen auf den heißen Stein.
"... und steter Tropfen höhlt den Stein, nicht wahr? Vermutlich werde ICH die Welt nicht ändern, denn ich bin ein kleiner Faktor neben Abermillionen. Aber ich bin letztenendes einer von ihnen und damit ein Sandkorn im Getriebe bzw. einer der steten Tropfen.

 

Ein Film, den man sich mal angesehen haben sollte.
Nicht, weil jemand anderes einen damit krampfhaft zum Vegatarismus "schocken" will, sondern einfach weil man mit offenen Augen leben sollte und ein "bewusstes" Leben nichts schaden kann: Earthlings.

http://veg-tv.info/Earthlings

 

Seit Denise ausgezogen ist, sind wir sind übrigens zur vollvegetarischen WG geworden.  Und die individuellen Begründungen sind erfrischend verschieden. Die einen sind Vegetarier, weil sie „Tiere mögen“ (ums stark vereinfacht auszudrücken), die anderen wiederum mit der Begründung „Ich mag Tiere ja nun so garnicht… da will ich die nicht auch noch essen."

3 Kommentare 12.1.10 20:35, kommentieren

Lucrez! Lucrez! Ich arbeite wieder!

Endlich ein paar Zeilen über das, weswegen ich eigentlich hier bin, die Arbeit…

Also als Freiwilliger hat man ja ein spezielles Projekt, das von der Organisation mehr oder weniger (eher weniger) konkret formuliert und durchdacht ist. ;P Ergo bleibt viel Raum für eigene Ideen, was mir ganz entgegen kommt.

Unsere Hauptaufgabe im Projekt „Sunshine in your life“ ist die Arbeit in einer Schule für geistig behinderte Kinder, grobe Arbeitsanweisung „am regulären Schulalltag teilnehmen“ und „eigene Aktivitäten etablieren“. Sooo… klar soweit, ehehe. Nach 2,5 Monaten hier habe ich gemerkt, dass die meisten mit dieser Freiheit nicht klarkommen. Ist mir aber auch schnuppi, kann ich nix für und kümmer ich mich auch nicht weiter drum. Man wächst mit seinen Aufgaben, die einen werden zwar etwas länger brauchen und wieder andere werden bis zum Ende nicht inne Gänge gekommen sein. Aber ich für meinen Teil habe ein gutes Projekt, viele Ideen und engagierte Co-Freiwillige zur Seite, bin zufrieden. 

Centrul Scolar pentru Educatie Inclusiva Arad heißt unsere Schule für Kinder mit mentaler Behinderung. Mentale Behinderung heißt in diesem Falle alles von Legasthenie über ADSH bis hin zu Autismus. Ich hatte ja vorher keine Erfahrung damit, aber ich muss sagen, es ist „einfacher“ als ich dachte. Manchmal merkt man auch garnicht, dass einige Kinder behindert sind, denn viele sehen völlig normal aus und verhalten sich auf den ersten Blick auch so. Wir sind in den Klassenstufen 1-4 eingesetzt, was ich auch ganz gut finde, da es für uns einfacher ist, diese Altersgruppe zu bändigen, zu begeistern und Aktivitäten für sie zu entwickeln.

In der Schule haben wir uns in den ersten zwei Arbeitswochen ein grobes Bild über die Abläufe und die Kinder gemacht, geschaut wo Bedarf an Verbesserung oder Innovation besteht und entsprechend unseren Ideen freien Lauf gelassen. Herausgekommen sind folgende Ideen, die wir unter uns 6 aufteilen und regelmäßig durchführen werden um die Schule sowohl kreativ als auch bildungsmäßig zu bereichern, weil in einigen dieser Bereiche einfach unheimliche Defizite offensichtlich sind:

Englischunterricht

Gesundheitserziehung (Zähneputzen*, Waschen, Ernährung etc.)

Kreative, nachhaltige Bespaßung (Jonglieren lernen, Fadenspiele etc.)

Trallala-Bespaßung (Basteln, Singen, etc.)

Lernspiele (Memory, Sinneswahrnehmungstraining etc.)

Sozialisierungstraining (Spiele mit rücksichtsvollem Körperkontakt etc.)

Bewegung (Tanzen, Hofspiele etc.)

Besondere Betreuung einzelner Problemfälle (in leistungs- und verhaltenmäßiger Sicht)

Nachdem wir all diese guten, von den Lehrern sehr begrüßten Ideen angebracht hatten, wurden wir erstmal wegen Schweinegrippegefahr „until further notice“ suspendiert. Ein absoluter Schlag ins Gesicht. Denn die Kinder sind… einfach so, dass man sich jeden Tag gefreut hat, 8 Uhr morgens aufzustehen um eine Stunde später auf dem Gang ungerannt und mit Umarmungen und Küsschen von ihnen begrüßt zu werden. Ich hätte nicht gedacht, dass ich so einen Narren an Kindern fressen kann, aber ich hatte ja auch vorher keine Erfahrung in dem Feld und hab da ne neue Seite meinerselbst entdeckt. Entsprechend war die Stimmung in der ersten Woche der Suspendierung so kellertief im Eimer, das war weit über Schmerzgrenze, richtiggehende Frustration. Jeder ist mit der Situation anders umgegangen, ich hab mich damit beschäftigt in den Tag hineinzuschlafen und den Rest des Tages ins Blaue hinein die Schulaktivitäten weiterzuspinnen (mit der flauen Ungewissheit, ob wir überhaupt zurückkehren dürfen). Eine weitere von Alex und mir gefasste Idee, war, auf einzelne Kinder speziell einzugehen. Da sind einige echt verhaltensgestörte, andere die einfach sozial absolut benachteiligt sind und wiederum welche, die durch ihre starke Lernbehinderung den gesamten Unterricht blockieren. Das sind so Sachen, wo wir den Lehrern wirklich eine große Unterstützung sein können. Und zudem habe ich zu einigen dieser problematischen Kinder bereits ne engere Beziehung aufgebaut, weshalb es umso mehr wehtat, zu begreifen dass ich sie auf unbestimmte Zeit nicht mehr sehen würde. Dieses Gefühl der Nutzlosigkeit hat sich jedenfalls auf alle ausgebreitet und sich im laufe der nächsten 4 Wochen (!) in Lethargie und erhöhte Meckerbereitschaft transformiert. Kann ich ja nun garnicht ab… entsprechend hab ich mich relativ viel von bestimmten Mitbewohnerinnen zurückgezogen, weil mich das noch weiter runtergezogen hätte.

Wir haben während der Suspendierungszeit so gut wie möglich versucht, und mit den weitere Pfichtaufgaben zu beschäftigen. Das sind zB. das Organisieren interkultureller Abende mit Projekt- und Länderpräsentationen (und internationalem Essen!), Info-Veranstaltungen über den EFD an lokalen Schulen, Seniorenbespaßung zu festlichen Anlässen wie Weihnachten, die monatliche Erstellung eines Newsletters über unsere Eindrücke und Arbeit, Rumänischstunden (ja, steht unter Pflichtaktivitäten), Erstellung von Promo-Materialien über den EFD (Poster, Flyer, &hellip und regelmäßiger Upload von Arbeitsergebnissen auf der Projektwebsite, die eh keiner nutzt und die daher auch langsam verwaist und verwahrlost.

Eine Woche vor Weihnachten, als selbst Millennium Center die Hoffnung fast verloren und uns bereits alternativ in einem Tageszentrum für Roma-Kinder vorgestellt hatte, bekamen wir die Nachricht, dass die Schweinegrippe-Sperre aufgehoben sei. Die 3 Schultage bis Weihnachtsferienbeginn waren die intensivsten überhaupt, die riesige Wiedersehensfreude, das von uns organisierte Weihnachtsbasteln, Schneeballschlachten, Fadenspielbegeisterung und Weihnachtsaufführung der Kinder… so gigantisch toll

Ab Januar wird also alles richtig, RICHTIG anlaufen. Mit 2 Monaten Verzug, aber ich klage lieber nicht zu laut… ;D

(*Zahnputzzubehör hab ich uns via Spendenaufruf in Deutschland organisiert… Der Verein für Zahnhygiene e.V. zeigt sich von seiner karitativen Seite! Danke, juhu! :D)

1 Kommentar 28.12.09 23:02, kommentieren

Let's take a look back... and forth!

GMX und StudiVZ betüdeln mich schon wieder mit Jahresrückblicken – was bin ich froh, dass ich kein Fernsehen schaue! Aber es bringt mich auf die Idee, mal eine persönliche Bilanz aus dem Jahr 2009 zu ziehen…und diese lautet:

Es war ein ausgefülltes, tolles 2009! Ich habe 6,5 Monate in Praktika verbracht sowie 7 Monate außerhalb Thüringens und/oder sogar Deutschlands.

Jan: Mehrgenerationenhaus Praktikum
Feb/Mär: Verlagspraktikum
Apr/Mai/Jun/Jul: 3,5 Monate Bremen Circusfestival-Orga
Aug: Workcamp Berlin, Back2Bremen (Evaluation), Weisheitszähne, Vlad Besuch
Sep: Halle Ausreiseseminar, Back2Bremen (FoBi Erlebnispäd, Abschied), Vegetarismus now!
Okt/Nov/Dez: EVS Rumänien (incl. Couchsurfingreisen, Budapest, Prag)
 

Es war das intensivste, entwicklungsreichste, mutigste und „erlebteste“ Jahr meines bisherigen Lebens. Ich kann mich an keine ernsten Tiefhänger erinnern - nicht etwa aus Mangel an Gelegenheiten,  sondern weil ich schlicht gelernt habe, Konflikten anders gegenüberzustehen und sie stets in eine positive Erfahrung zu transformieren.

Sollte ich ein rückwirkendes Motto für dieses Jahr finden, wäre es "It's all a matter of mind." und immer wieder mein Kierkegaard mit "There is nothing with which every man is so afraid as getting to know how enormously much he is capable of doing and becoming."
Er hat so Recht. 

Ich bin an mir und anderem gewachsen, hatte so viele neue Herausforderungen und Erlebnisse, die mich grundlegend geprägt und verändert haben… zum Positiven, alles zum Positiven. Ich gibt NICHTS, das ich bereuen würde - alles was ich getan habe, hat sich spätenstens im Nachhinein als wertvoller Teil des Plans erwiesen. Ich weiß jetzt umso mehr, was ich kann und können könnte, was für Potenzial in uns steckt. Ich hoffe, sowie jetzt kann und werde ich Ende 2010 und in allen folgenden Jahren auch stets resümieren!
Fürs nächste Jahr deutet sich zumindest bereits an…

es wird ein internationales und aufregendes 2010!

Jan/Feb/Mär/Apr:
EVS Rumänien (incl. Budapest reloaded, Belgrad Rammstein-Konzert)
Mai: evtl. Kroatien ^^
Jun/Jul: Wien --> Budapest Re-reloaded --> 2,5 Wochen Workcamp Sâ
nicolau Mare/RO teamen (incl. Arad reloaded) --> Belgrad/SRB
Aug: noch ein bisschen "außergewöhnlich" durch die Welt reisen...
Sept: Studienvorbereitung, WG-Suche…
Okt: Studienbeginn – finally... ;D

(Für 2010 sind also schon von vornherein mind. 4,5 Monate Ausland angesetzt, ui das freut!)

Fürs neue Jahr wünsche jedem, der dies hier liest, das was er am dringendsten braucht. Denn daraus ergibt sich zumeist alles Andere.
(Go for it! )

1 Kommentar 28.12.09 20:59, kommentieren

Don’t do drugs. Do Couchsurfing… Für krassere Trips!

(Auf den Titel bin ich stolz, ich finde es is der absolute Slogan für CS. Ich sollte über Copyright nachdenken...  xD) 

Jajaja, reisen tu ich tatsächlich auch ab und zu. ;P

Mein erster Trip hat mich ins schöne Sibiu geführt, zu Deutsch Herrmannstadt. Viele deutschstämmige Einwohner, was auch im gesamten Stadtbild auffällt, denn in Restaurants sprechen quasi alle Deutsch und in Geschäften und Shops zumeist auch. Sibiu, mein erster CouchSurf! Mein Host war Gheorghe, ein Zahnarzt mit Schwäche für Hardrock und Heavy Metal. Und nem bösen Auge, weil er am Abend vor meiner Ankuft ein Bierglas an den Kopp bekommen hatte und 3-fach genäht werden musste. Ergo sah er ein bisschen gruselig fightclub-mäßig aus, aber als ich 5min nach Ankunft die Sehnsucht-Kassette (KASSETTE!) von Rammstein in deiner Sammlung entdeckt hatte, wusste ich, dass wir eine Sprache sprechen. ;D (Buchstäblich übrigens, da er als gebürtiger Hermannstädter wie die meisten recht gut Deutsch beherrscht.)

Ich bin 3 Tage, 2 Nächte geblieben und habe bereits gemerkt, dass ich CouchSurfing weniger nutze um mir die Stadt anzuschauen und nebenher Menschen kennenzulernen, sondern eher genau andersherum.

Den einen Tag bin ich mit Gheorghe mit nach Câinele Mici gefahren, einem Dorf 40km von Sibiu. Ein richtig richtiges rumänisches Dorf, wo sich die Leute samstags alle draußen auf der Straße aufhalten, die alten Männner auf der Haustreppe Karten spielen und die Dorfjugend durch die Straßen streift. Mit Pferdefuhrwerken und Heuhaufen auf dem Feld. Und, wie der Name des Dorfes „Câinele Mici“ es verheißen lässt, Unmengen von kleinen (und großen) Hunden wo man hinschaut.

Während Gheorghe in der örtlichen Praxis die dortigen Dörfler zahnärztlich versorgt hat (1 Tag/Woche), bin ich durch die Gegend gestreift und habe  so einige sehr interessante Begegnungen gehabt. Man sage dazu, dass niemand in diesem Dorf irgendeiner Fremdsprache mächtig ist, daher war Rumänisch gefragt, bine! Zuerst habe ich mich mit einem alten Mann unterhalten, der mir von seinen beiden Töchtern in Bad Kreuznach erzählt hat, die beide mit dort stationierten Amerikanern liiert sind. Danach bin ich in einen Weg eingebogen, der ganz klar Roma-bewohnt aussah und hatte nach einem interessanten Gespräch mit einer Roma-Familie einen ebenso interessanten Einblick in ihre Betteltaktiken. Als ich mich diplomatisch (unter Zuhilfenahme meines bröckeligen Rumänisch) aus der Situation herausgewunden und mich mit einem Kompliment an die farbenfreudige Kleidung  verabschiedet hatte, ist mir die Oma trotzdem noch ne gute Viertelstunde in nem Abstand von 30m auf meiner weiteren Entdeckungstour gefolgt. Ziemlich gruselig, muss ich sagen. Irgendwann hatte ich sie in dem Gassengewirr endlich abgehängt und stand vor der eingerüstete Kirche, wo eine Gruppe Kinder den Bauarbeitern zusahen. Dacht ich mir, guggst mal was passiert xD Okay, ich wusste was passiert – wenn man fremd ist und dazu noch aussieht wie ein Tourist und obendrein noch putzige Sprachversuche von sich gibt, ist man der Star. Eh. So kams dann, dass ich inmitten einer Traube aufgeregter 6- bis 11-Jähriger über den Friedhof getappt bin, ihren verstorbenen Großeltern vorgestellt wurde und den Pfarrer kennengelernt hab. Schließlich haben sie mich noch, zum Vergnüngen des restlichen Dorfes, zurück über die gesamte Hauptstraße zur zweiten (völlig identischen) Dorfkirche geführt. Hier habe ich dann zudem die Bekanntschaft einer alten Frau gemacht, die mir Reiskuchen und Gebäck von einem großen Tablett anbot. Im Nachhinein hab ich erfahren, dass das eine Trauergeste ist und bedeutet, dass vor einiger Zeit jemand gestorben ist. Dieser gesamte Besuch in dem Dorf war so genial, so viel offene freundliche Neugier und Gastfreundlichkeit findet man in Deuschland nicht, ich kanns nur immer wieder sagen.

Am Abend war ich noch einmal auf eigene Faust durch Sibiu downtown unterwegs, doch wie das eben ist als Freiwillige… man bleibt nie lang allein. Schon garnicht wenn man reiselustige Co-Freiwillige hat, die unwissentlich voneinander Parallelpläne geschmiedet haben – so dass man sich plötzlich auf der Piața Mare gegenübersteht und sich einfach nur denkt „…hä?“

Solche Fügungen führen dann dann dazu, dass man Abends um 9 im Dunklen mit einem Dutzend Millennium-Volunteers aus Arad auf dem Großen Platz von Sibiu „Katz & Maus“ und andere Spielchen spielt (zum aufwärmen bzw. warmhalten, denn war ja kalt)… irgendwann auch unter Einbezug einheimischer Kinder, die irgendwie herrenlos rumliefen und mitspielen wollten. So kann’s gehen. xD „Look out for the volunteers, they are eeeverywhere!”

Danach hab ich mich dann wieder mit Gheorghe getroffen, der mich ins total tollste Restaurant von Sibiu eingeladen hat. Das „Sibiul Veche“ ist eine Art Kellergewölbe, traditionell rumänisch von A-Z , Musik, Kleidung, Ddekoration und das Essen natürlich (Papanași! Papanași!!), sooo lecker. Als ich vorm Eingang stand, habe ich mich dann auch daran erinnert, dass Vlad mir zuvor genau dieses Restaurant empfohlen hatte, als ich ihm von meinen Sibiu-Plänen erzählt hatte. Irgendwie kommt bei mir immer eins zum anderen, hehe… woran liegt das nur? ^^“

Angefacht von dem tollen Sibiu-Erlebnis, bin ich die Woche drauf nach Timișoara aufgebrochen, meiner ultimativen Nachbarstadt, die schlicht und buchstäblich zu „naheliegend“ ist, um sie in den ersten 2 Monaten überhaupt wahrzunehmen – geschweige denn zu besuchen. So habe ich mir dann einen gewissen Ovidiu auf CouchSurfing herausgepickt, angeschrieben und als Gastgeber für 2 Tage gewonnen. Aus dem einen Tag wurden am Ende drei, weil um ein weiteres Mal die Chemie gestimmt hat. Ovi ist ein echter „traveller“, so nennt er die Leute, die fürs Reisen leben… sein großes Steckenpferd ist Südostasien, vor allem Thailand. Er hat die gesamte Ecke dort unten ein Jahr lang ausgiebig bereist und be“arbeitet“, 13 Länder in 12 Monaten und ist mit einer Freundin in Korea, sowie einer „Mutter“ und „Schwester“ in Krabi/Thailand wieder zurückgekehrt. Er ist wirklich faszinierend, man könnte sagen “er nimmt das Leben leicht“ und ist der  lebende Beweis, dass es so tatsächlich sehr gut funktionieren kann. In Rumänien verdient er sich sein Geld durch einen Shop mit handgemachtem Schmuck aus aller Welt (natürlich v.a. aus Asien) als auch in Zusammenarbeit mit lokalen Künstlerinnen. Da fällt mir was ein, um auf das eins-kommt-zum-anderen zurückzukommen: ich habe am ersten Abend auf seiner Party eine Freundin kennengelernt, von der ich erndlich mal gezeigt bekommen habe wie man sich die Haare mit Nadeln zusammensteckt. Am Nachmittag noch hatte ich in Ovis Shop ein Paar thailändischer Haarnadeln verliebt und sie aber aus Nichtkönnen nicht gekauft! Dann, wenige Stunden später hatte ich es von Silvana gelernt, ergo, am nächsten Tag waren sie MEIIIIN… plus ein Fußkettchen aus Holzperlen, Geschenk von Ovi.

Ovi hat die ultimative Katze, deren Namen ich aber immer wieder vergesse, weil kein Mensch jemals ne Katze so nennen würde. Jedenfalls is die höchst schwanger und hat nach anfänglichem Misstrauen die Nacht mit mir verbracht, nähesuchend wie werdende Katzenmamas eben sind. Son Flauschviech, Elli im Himmel… habe Ovi prophezeiht, dass ich wiederkomme, wenn die Kätzchen da sind. Aber ich wurde sowieso bereits für ein „nächstes Mal“ eingeladen…

Wenige Wochen später war schon fast Weihnachten und ich bin mit Alex nach Budapest getingelt, weil sie von dort den Zug nachhause nimmt und ich eben noch nie in Budapest war. CS-getreu untergekommen sind wir diesmal bei Guilherme, einem Brazilianer mit französischem Namen, der in vierter Vorfahrengeneration deutsche Wurzeln hat, in Budapest als Trainee arbeitet und Mitbewohner aus Mazedonien und Algerien hat. Blickste durch soweit, ne? Mit ihm hatten wir einen (für mich besonders ;P) lustigen Abend bei seiner Firmenparty im Morrisson’s Pub, einem 4-floor-igem Club, mit Open Bar für uns, da wir als Firmenmitgliederbegleitung als VIP durchgingen und ich ergo alle Cocktails probieren konnte, die ich sonst nie bezahlen kann oder will. xD Beim Tanzen schmieden sich auch Kontakte, so habe ich dann noch Szandor und Matt und irgendwelche Inder gennengelernt, ehehe, jaaahalalala die Mucke war schon gut... ;D

Am nächsten Tag habe ich mit Alex die Stadt unsicher gemacht, die Kettenbrücke und das Parlament gesehen und mich in einem vollverspiegelten Café aus 100 Winkeln beim Palatschinken essen beobachtet. Im Anschluss hab ich im Ethnographischen Museum finnischen Folkmetal (Ensiferum, Amorphis, Korpiklaani) gehört, bin nostalgisch geworden und habe mich ein bisschen nachhause gesehnt. Aber nur ein bisschen.

Der Samstag war ein Apokalypse-Tag mit Schneeverwehung und bitterlichst bitterer Käälte, so dass wir uns nach dem Einkauf am Morgen einstimmig dazu entschlossen haben, heute keinen weiteren Schritt mehr vor die Tür zu setzen. Wir sind sonst echt nicht so, aber das war wirklich kein Spaß mehr. Und Fotos hätte man auch nicht machen können, weil man vor lauter Schnee keine 5m weit aus dem Fenster sehen konnte. Ergo haben wir den Tag kochend, entspannend und Musik hörend verbracht, sowie mit Guis Mitbewohner Hassan buchstäblich über Gott und die Welt diskutiert. Zudem habe durch ihn erstmals ein muslimisches Gebet hautnah beobachten dürfen, es ist kein Problem wenn ich anwesend bin, meinte er, ich dürfe nur auf keinen Fall zwischen ihm und der Wand gen Mekka langlaufen.

 Was ich am Samstag an Abenteuern NICHT hatte, hatte ich dafür am Sonntag doppelt und dreifach. Am Bahnhof Budapest-Keleti gabs auch Apokalypse, aber weniger in wetterlicher als viel mehr in fahrplantechnischer Sicht. Alex‘ RailJet war wohl der einzige Zug dieses Tages, der den Bahnhof pünktlich (und man betone: überhaupt!) verlassen hat. Mein im Internet angezeigter Zug 13:13 stand aber nicht mal im regulären Fahrplan – leichte Panikreaktion, woraufhin ich bei meinem Hilfsgesuch am Info-Schalter erstmals Bekanntschaft mit der ungarischen Bahnhofsunfreundlichkeit machte, weil ich keine Nummer gezogen hatte. Okay, zurück,  Nummer gezogen, Nummer auf dem Display oben verglichen und ausgerechnet, dass ich erst in 1-2h dran kommen würde. Ha. Hahaha. Kehrt um und Beschluss, ich schaff das schon irgendwie allein. Fahrplan erneut gelesen und festgestellt, dass Sonntags nur ein einziger Zug um 15:13 in meine Richtung verkehrt, allerdings nur nach Timisoara, nicht nach Arad… keine Ahnung ob mein Ticket da gültig ist oder nicht, aber Richtung stimmt und ich würde im Ernstfall einfach versuchen, mit dem Schaffner zu verhandeln. Dann fiel mir allerdings ein, dass man im IC nur mit Reservierung fahren darf, ergo zurück zum Info-Schalter… Nummer gezogen, aufgestöhnt… und dann glücklicherweise meine alte Nummer von vorher auf dem Boden wiedergefunden, für die dann auch nur noch 50min warten musste! Aber dann hatte ich meine Reservierung, meine Fahrkarte war auch gültig und der Zug würde über Arad fahren. Passt doch nu alles, hab mich entspannt, think positive.

Ich bin dann ab ins Bahnhofscafé, weil es wirklich beißend kalt war und die Bahnhofshalle offen ist… im Café habe ich Jelena getroffen, eine serbische Studentin, die in Wien Deutsch studiert, na sowas. Sie wartete schon seit über 5 Stunden, seit ihr geplanter Zug gestrichen wurde, woraufhin ich mir naiverweise sagte, „Na da hatte ich ja noch Glück.“ Wir hatten Spaß zusammen, bis ich mich dann gegen 15:10 verabschiedet habe, um meinen Zug zu nehmen. Falsch gedacht, 15:15 verstrich und mein Zug war noch nichtmal angezeigt. Also bin ich bis 2h nach Abfahrtszeit in der eisigen Bahnhofshalle von einem Bein aufs anderer gehüpft, bis mein Zug mit der Notiz „150min delay“ endlich auf der Tafel aufblinkte. Schwer vorstellbar, wie sehr man sich über 150min Verspätung freuen kann, aber angesichts anderer Spalten mit 300min, 500min delay… tjaaa… dass ich im Endeffekt selbst 19h Verspätung haben würde, war mir zu dem Zeitpunkt noch nicht klar. xD Aber es war TOOOOLL! Innerhalb von insgesamt 21h am Bahnhof Budapest-Keleti habe ich nicht nur Jelena aus Serbien, sondern auch Marco aus Italien (ein Italiener der fließend Ungarisch spricht Oo), Maria aus Rumänien und András aus Ungarn kennengelernt. Mit letzteren beiden habe ich im laufe der Nacht angefangen Rum und Kaffee zu konsumieren, nachdem ich vorher bereits mit dem alten Ungaren (welcher vor Marco mit mir das Abteil geteilt hatte) Palinca getrunken hatte… man hält sich ja irgendwie warm. xD (Zu dem Chaos mit dem Abteilen muss man erklären, dass wir 3x zwischen zwei potenziellen Zügen hin und hergeschickt wurden, weil es immer aus irgendeinem Grund hieß, „Acesta nu plece. Der hier fährt nicht, umsteigen in den annern“! Anyway, wenn ihr nicht durchblickt, dann fühlt ihr euch jetzt genau so wie ich mich an dem Abend – sehr gut, Erlebnis-Blogging.)

Durch all das Gewusel habe ich jedenfalls Einladungen nach Wien, Belgrad, Timisoara, Budapest reloaded und eine nach irgendwo nahe der deutsch-rumänischen Grenze erhalten! UND ich hab auf gut Glück in einem Zug übernachtet, von dem ich nicht wusste ob, wann und wohin genau er fährt UND nachts war eine Eisscholle im Waschbecken und die Toilettenspülung eh gefroren.

Ich betrachte hiermit als „Survivor of the Keleti Doom’s Day“. Kann mir mal bitte jemand das Wasser reichen? :D

Gegen 10Uhr morgens, nach einer mehr durchwachten als durchschlafen Nacht, sind Maria, András und ich dann durch das Ruckeln und Rollen aufgeschreckt, um kurz darauf mit recht unspektakulärer Reaktion zur zu erfahren, dass wir uns tatsächlich auf der Schiene nachhause befinden. Unser Freundentanz war nur mäßig spektakulär, uns konnte einfach nichts mehr schocken, selbst wäre der Zug nach Polen oder sonstwo gefahren. Wir waren echt ein cooles Katastrophenteam, so ne lustige Zeit hätte ich bei regulärem Fahrplan sicher nicht gehabt :D

Und Marcos Einladung zurück nach Budapest werde ich auch bald nachgehen.  Er wohnt nur 5min von Keleti, deshalb hat er sich irgendwann nachts gegen den Umsteigestress entschieden und die Nacht zuhause verbracht, ums am nächsten Morgen erneut zu versuchen. Er hatte mir zwar angeboten mich zu hosten, aber ich wollte nicht riskieren ein neues Ticket kaufen zu müssen, da meins offiziell nur bis Sonntag gültig war und ja nun auf einen speziellen Zug gebucht war. Daraufhin haben wir uns, ohne bisher überhaupt den Namen des Anderen zu kennen (aaaber Skype-ID!), verabschiedet und unser weiteres Kennenlernen auf wärmere Zeiten (zuhause vorm Rechner) verschoben. xD

Jua… das war Budapest. Ich bin verdammt froh, dass es so gelaufen ist, was hätt ich sonst verpasst! Das war dann sogar das Frieren und die angeschlagene Achillessehne wert, Mensch. :D

1 Kommentar 28.12.09 20:31, kommentieren